Cannabis Legalisierung und das neue Cannabisgesetz: Was aktuell gilt
Seit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes (Konsumcannabisgesetz, kurz: KCanG) am 1. April 2024 gelten in Deutschland neue Regeln für den Umgang mit Marihuana und Haschisch. Doch die Teillegalisierung ist an strikte Auflagen gebunden. Gleichzeitig gibt es viele Mythen und Falschmeldungen – deswegen informieren wir faktenbasiert.
Was bedeutet das Gesetz aktuell für den Alltag, welche Regeln gelten für Jugendliche und kann man nun tatsächlich legal Cannabis kaufen?
Obwohl das Gesetz bestimmte Lockerungen für Erwachsene bringt, steht eines über allem: der Kinder- und Jugendschutz. Das Gesetz wurde mit dem Ziel geschaffen, den Gesundheitsschutz zu verbessern, die Aufklärung zu stärken und dem illegalen Schwarzmarkt entgegenzuwirken. Die Auswirkungen werden kontinuierlich wissenschaftlich evaluiert. Der Abschlussbericht ist bis zum Jahr 2028 vorgesehen.
Fakten-Check: Das Cannabisgesetz in Deutschland
Die Teillegalisierung hat klare Grenzen. Die wichtigsten Regeln im Überblick:
- Absolutes Verbot für Minderjährige: Für Jugendliche unter 18 Jahren bleibt der Erwerb, Besitz und Konsum von Marihuana und Haschisch streng verboten.
- Konsumverbot: In Sichtweite von Schulen, Spielplätzen, Kitas und Jugendeinrichtungen sowie in Fußgängerzonen während der Tagesstunden ist das Kiffen verboten. Auch in den Cannabis Social Clubs (CSC) ist der Konsum von Cannabis verboten.
- Besitzgrenzen / Besitzmenge: Für Erwachsene ist der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis im öffentlichen Raum und bis zu 50 Gramm im privaten Raum (getrocknet) straffrei.
- Eigenanbau: Jede volljährige Person, also ab 18 Jahren, darf bis zu drei eigene Hanfpflanzen für den privaten Konsum anbauen.
- Anbauvereinigungen: Der gemeinschaftliche, nicht-kommerzielle Anbau ist in speziellen Vereinen (Cannabis Social Clubs) geregelt.
- Werbeverbot: Es gilt ein striktes Werbe- und Sponsoringverbot für Konsumcannabis.
Wichtig: Für alle unter 18 Jahren hat sich durch das Gesetz nichts geändert. Sowohl der Besitz als auch der Anbau und Konsum von Cannabis sind und bleiben illegal. Warum das so ist und welche rechtlichen Konsequenzen drohen, erfährst du auf unserer Infoseite zur Gesetzeslage.
In Deutschland gibt es im Gegensatz zu einigen US-Bundesstaaten, den Niederlanden oder Kanada keine lizenzierten Fachgeschäfte oder Coffeeshops, in denen man Cannabis als Rauschmittel kaufen kann. Der kommerzielle Handel und auch die Einfuhr von Cannabis aus dem Ausland sind weiterhin streng verboten. Auch für Erwachsene ist es somit nicht möglich, Cannabis legal zu kaufen. Im gewöhnlichen Handel oder Online-Shops findet man lediglich freiverkäufliche Produkte wie CBD-Öl oder Hanflebensmittel, welche keine Rauschwirkung haben dürfen. Eine Ausnahme gilt für medizinisches Cannabis: Patientinnen und Patienten können Cannabis auf Rezept legal über eine Apotheke beziehen.
In den Anbauvereinigungen wird Cannabis ebenfalls nicht verkauft. Hier wird Cannabis an die Mitglieder abgegeben. Dafür müssen die Personen mindestens 18 Jahre alt sein (häufig sogar 21 Jahre), dem Social Club beitreten und einen monatlichen Mitgliedsbeitrag bezahlen.
Was ist Cannabis eigentlich?
Die Hanfpflanze (Cannabis) ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Erde. Wenn im Alltag von der Gras-Droge gesprochen wird, sind damit meist die getrockneten Blüten oder das gepresste Harz gemeint. Beim Kiffen und Konsumieren unterscheidet man primär drei Varianten:
- Marihuana („Gras“, „Weed“): Die getrockneten Blüten und Blätter der weiblichen Hanfpflanze.
- Haschisch („Hasch“, „Dope“): Das feste, gepresste Harz der Blütenstände.
- Extrakte und Liquids: Hochkonzentriertes Haschischöl oder flüssige E-Liquids, die in E-Zigaretten oder Vapes verdampft werden.
Achtung vor synthetischen Cannabinoiden in Vapes: Wer auf dem Schwarzmarkt oder dubiosen Online-Kanälen „Cannabis-Liquids“ (so genannte „Spices“ oder „Baller-Liquids“) oder billiges CBD-Gras kauft, landet womöglich bei künstlichen, im Labor hergestellten Cannabinoiden. Man sieht, riecht und schmeckt keinen Unterschied, aber sie wirken bis zu 600-mal stärker als natürliches THC und können lebensgefährliche Vergiftungen auslösen.
Mehr zu den verschiedenen Formen der Pflanze, den biologischen Hintergründen und Wirkstoffen erfährst du in unserem Beitrag: Was ist Cannabis?
Trotz Teillegalisierung: der Konsum steigt bei Jugendlichen nicht an
Rund um Cannabis als Rauschmittel kursieren viele Mythen. Die aktuellen Daten und Zahlen in Deutschland sowie die erste Evaluation des Konsumcannabisgesetzes zeigen jedoch ein klares Bild:
- Kein Konsum-Boom bei Jugendlichen: Entgegen vielen Befürchtungen im Zuge der politischen Debatten ist der Cannabiskonsum bei Jugendlichen in Deutschland in den letzten Jahren tendenziell leicht rückläufig. Die große Mehrheit der Teenager kifft nicht. Das Cannabisgesetz hat bisher keine Auswirkungen auf diesen Trend.
- Konsum bei Erwachsenen: Schätzungen zufolge konsumieren in Deutschland rund fünf Millionen Menschen zumindest gelegentlich Cannabis, der Großteil davon im Erwachsenenalter. Bei jungen Erwachsenen ist der Anteil der Konsumierenden in den letzten zehn Jahren ansteigend, insbesondere unter jungen Männern.
- Steigende Wirkstoffpotenz: Der durchschnittliche THC-Gehalt in Marihuana und Haschisch hat sich in den letzten Jahrzehnten durch moderne Anbau- und Zuchtmethoden massiv erhöht. Das macht den Konsum unberechenbarer als früher. Galten früher THC-Wert von 10-15% als durchschnittlich, so finden sich heute häufig Cannabissorten mit THC-Werten von 20-25% im Umlauf. Die Wirkung ist entsprechend stärker und gesundheitsschädlicher.
Wenn du herausfinden willst, wie viel du über Cannabis, rechtliche Regelungen und dessen Wirkung weißt, kannst du dich in diesem Mythen-Quiz testen.
Schutz und Aufklärung gehen vor: Beim Thema Cannabis geht es um weit mehr als um Paragrafen und Gesetze. Wenn du wissen willst, wie Cannabis im Körper wirkt, welche Gefahren es gibt und was es langfristig in deinem Körper macht, erfährst du hier mehr. Erfahre außerdem, wie du dich am besten verhältst, wenn Personen in deinem Umfeld kiffen.
Was tun, wenn mein Kind kifft?
Wenn du vermutest oder erfahren hast, dass dein Kind Cannabis ausprobiert hat, gilt vor allem: Bleib ruhig und vermeide Panik. Überstürzte Vorwürfe oder reine Verbote führen meist dazu, dass sich Jugendliche verschließen. Suche stattdessen das offene und ehrliche Gespräch, am besten in einem ruhigen Moment und nicht dann, wenn dein Kind akut unter dem Einfluss von THC steht. Zeige Interesse an der Lebenswelt deines Kindes, formuliere deine eigenen Sorgen aus der Ich-Perspektive und vereinbart gemeinsam klare Grenzen.
Erfahre hier wertvolle Tipps zur Gesprächsführung, um mit deinem Kind auf Augenhöhe zu sprechen. Weitere Orientierung sowie konkrete Handlungstipps für den Familienalltag helfen dir dabei, Anzeichen richtig einzuschätzen, angemessen zu reagieren und Schritt für Schritt gemeinsame Lösungen zu finden. Und zuletzt: es gibt viele Angebote im Hilfesystem – Beratungsstellen in der Nähe, aber auch Chat- und Mailberatung für Betroffene und Angehörige.